Durch das Tote Gebirge

Bereits letztes Jahr haben wir uns mit der Überschreitung vom Pyhrnpass zur Liezener Hütte einen Traum erfüllt. Abseits der gängigen Skirouten (ok, zumindest vom Angerkogel westwärts … *g*) sind wir zwischen dem Ennstal und der Warscheneckgruppe über das Hochplateau gewandert. Die Tage zuvor hatte es massiv geschneit und wir durften den ganzen Tag durch ein Winter-Wonderland stapfen. Die Spatzen am Abend waren bereits am nächsten Tag vergessen, ähm verdrängt.

Noch viel weniger erinnerten wir uns dieses Jahr kurz vor Weihnachten daran – ganz spontan kam die Idee auf, diese Überschreitung zu wiederholen und auch gleich zu verlängern. Ein Plan war geboren: vom Pyhrnpass auf die Tauplitz. Und es dauerte keine 3 What’s-App Nachrichten bis sich eine kleine Gruppe von Mutigen gefunden hat.

Bekanntes Terrain

Wie gehabt gestaltet sich die Suche nach einem Parkplatz am Pyhrnpass als die größte Herausforderung dieses Unterfangens. Es ist für mich immer noch unvorstellbar, warum sich gerade auf den Angerkogel so viele Skitourengeher drängen. Abgesehen von der sehr kurzen Gipfelflanke, bietet der Berg kaum schöne Abfahrten und zum Schluss darf man sich auch noch durch den engen Gschwendgraben quälen. Aber was tut man nicht so alles …

Wir nutzen dann die Gunst der Stunde und schlüpfen in eine freie Parklücke neben der Straße. Ob man hier wohl über Nacht stehen darf? Ach egal, Ski an, Schuh auf, ABS aktiviert und los geht’s. Dieses Jahr ist es kälter und so kommen wir noch fit und munter am Gipfel an. Eine kurze Pause – ja, wir sind wieder mal etwas spät dran – und schon entfliehen wir den Massen vom Gipfel westwärts. Die Einsamkeit beginnt. Fragen tauchen auf, ob wir wohl auch heuer wieder die wenigen fahrbaren Rinnen runter auf’s Plateau finden. Die breite Mulde als Einstieg haben wir schon mal entdeckt – Pulver vom Feinsten und ab geht’s.

Waren wir hier schon mal?

Bei jedem Schwung, jeder Kuppe und bei jedem Baum erkennen wir die Route vom letzten Jahr und freuen uns über unsere ausgeprägten Waldläufer-Orientierungssinne. Ein paar Augenblicke später stehen wir wieder vor der Steilwand – ein kurzer Blick links und rechts, ein paar vorischtige Schwünge und Rutsche nach vorn und schon ist die Linie wieder erkennbar. „Making turns is a sign of fear“ hört man noch irgendwo rufen und schon ist der erste unten am Plateau angelangt.

Dort treffen wir dann auch auf einen weiteren Skitourengeher. Fast schockiert steht man sich einige hundert Meter gegenüber. „Was zum Teufel macht denn der hier?“ … Da hatte wohl noch jemand die gleiche Idee. Etwas später sind wir alle glücklich über das Zusammentreffen, die Spurarbeit zehrt nämlich langsam an den Kräften aller.

Kasnock’n und andere Annehmlichkeiten

Dieses Jahr geht’s noch ein Stück weiter zur Hochmölbinghütte. Der neue Wirt – der alte ist ja mit uns unterwegs – hat über Silvester offen und wir nutzen die Gunst der Stunde, um nicht selbst im Winterraum kochen zu müssen *g*. Kasnock’n, Bier und Kaiserschmarren machen uns überglücklich. Das Fresskoma danach zwingt uns allerdings auch recht schnell ins Bett. Oder ist es doch die lange Tour? Hmmm.

Unbekanntes Terrain

Am nächsten Morgen geht’s weiter. Voller Freude starten wir in die 2. Etappe dieser Überschreitung. Und während wir so losgehen, grübeln wir auch schon über eine Verlängerung … ein 3. Tag, vielleicht sogar ein 4. mit Biwak? Egal, jetzt erstmal auf’s Sumpereck und eine der Rinnen mit vieeeeel Pulver bergab zum Grimmingboden.

Unser Freund vom Vortag, Erich, hat bereits gespurt und wir genießen den gemütlichen Start. Die Abfahrt ist traumhaft. Von allen Seiten hört man uns jubeln und juchzen. Das kann auch ein kleiner Sturz á la „Ski – Helm – Ski – Helm – ein Ski – Helm“ nicht dämpfen. Hier hat kaum Wind gewütet und es liegt ca. 1 Meter Neuschnee im lichten Wald. Nochmal rauf? Besser nicht, der Tag wird noch lang.

Entlang des Sommerweges gelangen wir zu einer Jagdhütte mit Videoüberwachung. Sachen gibt’s … wir diskutieren über den Ausverkauf von Grund und Boden nach der Kriegszeit und ärgern uns kurz über die Bevormundung und unseren zu Tode regulierten Staat. Aber der Frust darf warten, jetzt genießen wir erstmal den tollen Anblick des tief verschneiten Grimmingbaches.

Wie war das mit den Orientierungssinnen?

Wir möchten am Sommerweg bleiben, den Natterngraben hoch und durch das Kar zu den Interhütten. Doch ein wenig später sind wir hoch motiviert und voller Elan Richtung Almkogel unterwegs. Tja, etwas verschätzt hätte ich gesagt. Wieder zurück und den geplanten Weg gehen oder doch einfach weiter rauf und mit einer geschickten Querung zur Alm? Noch sind wir fit, also überlegen wir sogar kurz, den Almkogel noch mitzunehmen. Das herbei ziehende Schlechtwetter belehrt uns allerdings eines Besseren und so queren wir nach einem kurzen Aufstieg zur Alm und machen uns auf den Weg zum Rosskogel.

Wir möchten nicht ins Skigebiet und fahren lieber direkt ab nach Tauplitz. Die Einfahrt am Rosskogel erscheint uns allerdings nicht sicher, daher genießen wir ein allerletztes Mal den Schnee auf der Nordseite und fahren zum Schwarzsee ab. Ein kurzer Gegenanstieg in den Sattel und schon geht’s über die Riesen bergab nach Tauplitz. Ein letzter, etwa 20 minütiger Fußmarsch in den Ort trennt uns vom heiß ersehnten Schnitzel. Über dieses spekulieren wir bereits seit wir den Angerkogel am Vortag erreicht haben *g*. Also Ski ab, ABS deaktiviert, Bankomat gesucht, Restaurant gestürmt, glücklich …